Pharmakós

Die Pharmakoszeremonie war ein Frauenfest der dianischen Tradition und eigentlich noch Teil der Thargelien. Es wurden zwei Männer ausgewählt, die all das repräsentierten, was in der Gemeinde nicht in Ordnung war. Normalerweise handelte es sich dabei um Kriminelle, die man aus dem Gefängnis geholt hatte. Als Verkörperung Pans wurden sie mit Lauchstengeln und fruchtlosen Zweigen siebenmal geschlagen oder mit Zwiebeln beworfen. Danach führte man die Kriminellen aus der Gemeinde und sie durften nie wieder zurückkehren.

Mit dieser Austreibung sollte die Stadt gereinigt werden. Sie wurde als so bedeutsam betrachtet, dass sie nur von bestimmten, magiekundigen Menschen, die sich speziellen Reinigungen unterzogen hatten, durchgeführt werden durfte. Es hieß, das Schlagen Pans diene dazu, böse Kräfte auszutreiben, aber auch, seine Manneskraft zu stärken.

Zwiebeln (und Knoblauch) galten als Aphrodisiaka, und das Schlagen wurde von Panjüngern ausgeführt, in diesem Fall Priestern des Pankultes. So betrachtet fügt sich das Pharmakosritual gut in den Thargelienbrauch ein - ohne den Geruch von Blut zu hinterlassen.

Die neuen Patriarchen erweiterten diese Zeremonie allerdings auf grausame Weise: nachdem die Pharmakos aus der Stadt vertrieben worden waren, wurden sie auf einem Scheiterhaufen, der aus dem Holz unfruchtbarer Bäume errichtet wurde, verbrannt. Ihre Asche wurde in alle Winde verstreut.

Es gibt auch einen weiblichen Pharmakos, genannt "Charila". Wenn im Land eine Hungersnot oder Dürre herrscht, wird ein Festival zu Ehren Charilas (Kores), der Jungfrau, abgehalten. Bevor die ersten Früchte geopfert wurden, schlug man das Gesicht einer Statue oder einer Priesterin mit Satinstreifen.

Danach begannen die normalen Thargelien. Dieses Brauchtum kann man auch bei italienischen Hochzeiten beobachten. Dort werden Braut und Bräutigam zuerst mit Lederschuhen beworfen, bevor man Reis über sie streut. Der Sinn des Rituals ist dergleiche - zuerst sollen die bösen Kräfte ausgetrieben werden, dann folgt der Segen.

 

Quelle: Frau Moh/ Alexandra