Anthestaria (Frühling)

Anthestaria ist ein dreitägiges Frühlingsfest der dianischen Tradition.

Der erste Tag wird dem Anzapfen der Fässer (Pithoigia) gewidmet, in welchen der neue Wein lagert. Die Gemeindemitglieder kamen bei diesem Fest hauptsächlich zusammen, um den neuen Wein zu probieren und um der Erdenmutter - die all dies ermöglichte - Trankopfer darzubringen. An diesem Tag, an dem die Fässer geöffnet wurden, sollte niemand gehindert werden, den neuen Wein zu kosten! Sklaven und Herren, Eltern und Kinder - alle tranken gemeinsam.

Am zweiten Tag des Festivals fand das "Kannenfest" statt. Überall in der Stadt fanden Trinkwettbewerbe statt. Eine Person mußte den mit Girlanden geschmückten Becher leeren, um einen Kuchen zu gewinnen, der angeblich großes Glück bringen sollte! Da der Becher ein Symbol für Lust ist, wurde an diesem Tag auch die Heilige Hochzeit öffentlich vollzogen. Bei diesem "Hieros Gamos" fand eine sexuelle Vereinigung zwischen der Vertreterin der Göttin und ihrem geweihten König satt. Die Tempel des irdischen Gottes Dionysos wurden geöffnet, so daß die Gemeinde ein einziges Mal im Jahr Zeuge dieser heiligen Vereinigung sein konnte. Falls tatsächlich die Königin eines Landes beteiligt war, bestand ein wichtiger Teil des Rituals im öffentlichen "Zurschaustellen" ihrer Lust, die als das beste Omen für ihr Volk im kommenden Jahr gedeutet wurde. Man kaufte neue Töpfe, die man schließlich von den Priesterinnen weihen ließ und kochte darin ein großes Mahl - um den Hunger zu stillen, den das "Kannenfest" hervorgerufen hatte. Auch an diesem Tag wurde nicht gearbeitet (außer um die Gemeinde mit Essen und Trinken zu versorgen).

Nach den Feiertagen war der Zeitpunkt für den ernsteren Teil von Anthestaria gekommen, der in jedem Haus um Mitternacht stattfand. Der Familienvorstand stellte sich barfuß in die Mitte des Raumes und machte das Symbol der Yoni mit den Händen (mit zusammengelegten Daumen und Zeigefingern einen Diamanten formen und die restlichen Finger gerade ausstrecken). Dann wusch man die Hände dreimal in klarem Quellwasser, drehte sich dreimal um sich selbst und steckte dabei jedesmal neun schwarze Bohnen in den Mund. Diese Bohnen wurden schließlich durch das Yoni-Symbol wieder ausgespuckt und man rief: "Diese schicke ich aus! Mit diesen Bohnen befreie ich mich und die Meinen!" Neunmal spuckte man die neun Bohnen für die Muttergöttin aus und sprach diese Worte. Waren alle Bohnen ausgespuckt, drehte man sich um, so daß die Geister die Bohnen aufheben konnten. Man wusch sich noch einmal die Hände, läutete neunmal eine Messingglocke und sprach nach jedem Läuten: "Schatten meiner Vorfahren, entfernt euch!" Damit war das Ritual beendet. Da bei diesem Brauch alle Heiligen geehrt werden, kann man dieses Ritual heutzutage zu Allerheiligen oder im Mai ausführen, wenn der "Tod-im-Leben-Aspekt" der Göttin noch vorherrscht.

 

Quelle: Frau Moh/ Alexandra