Öl-Gewinnung

Einfache Pressung
Einfache Pressung, die meist maschinell durchgeführt wird, ist eine Methode, mit der nur wenige Öle gewonnen werden können.
Geeignet sind dafür die Schalen von Zitrusfrüchten, in denen sich die Duftstoffe der Früchte anreichern. Die Schalen werden fein zerkleinert und anschließend mit etwas Wasser vermischt ausgepresst.
Das entstehende Gemisch aus ätherischem Öl und Wasser wird vermittels einer Zentrifuge getrennt.
Schonende Kaltpressung ist ähnlich wie bei fetten Ölen ausschlaggebend für die Qualität des Produkts.
Weiteres Qualitätsmerkmal ist die Verwendung von ungespritzten Früchten, wenn möglich aus biologischem Anbau.
Durch Kaltpressung gewonnene Öle sind: Orange, Zitrone, Mandarine, Grapefruit und Bergamotte.

Enfleurage
Pflanzenteile von sehr empfindlichen Pflanzen, z.B. Jasminblüten, werden in Schweinefett gelegt, welches die Duftstoffe aufsaugt. Dabei müssen die Blüten in einem wochenlangen Prozess alle zwei Tage erneuert werden.
Ist das Fett gesättigt, werden diese durch Alkoholextraktion "herausgeholt".
Diese Zeitaufwendige, kostspielige Methode wird selten praktiziert, da die Preise der qualitativ sehr hochwertigen Öle dementsprechend hoch angesetzt werden müssen.

Extraktion
Das Herausziehen, die "Extraktion" mit flüchtigen Lösungsmitteln wie Alkohol, Hexan, Petroläther, Tetrachlormethan ist eine relativ junge Methode.
Dieses Verfahren wird aufgrund der höheren Ausbeute auch bei Pflanzen (Jasmin, Tuberose), bei denen die anderen Methoden scheitern, angewendet.
Chemische Lösungsmittel tragen im Anschluss an die Wasserdampfdestillation zur Gewinnung letzter Reste an ätherischen Ölen bei. Die Lösungsmittel selbst werden ebenfalls durch Destillation wieder entfernt.
Das danach enstehende Produkt ist von salbenartiger Konsistenz und wird als "Conrète" bezeichnet.
Um das endgültige "Absolue" zu erhalten, müssen noch die Pflanzenwachse entfernt werden, was mit Alkohol geschieht.
Lösungsmittelrückstände sind niemals zu vermeiden, wobei Stoffe zum Teil hochgiftig sind.

Deshalb sind durch Extraktion gewonnene Absolue-Öle niemals innerlich anzuwenden!
Die Lösungsmittel können Allergien auslösen oder das Immunsystem schädigen.


Wasserdampfdestillation
Die Wasserdampfdestillation ist die traditionelle und älteste Gewinnungsmethode.
Dabei werden die Pflanzenanteile der höchsten Konzentration an ätherischen Ölen zerkleinert und in einem großen Bottich (Alambic) mit Wasser vermischt.
Im unter Druck erhitzten Gefäß entsteht eine gasförmige Verbindung aus Wasserdampf und ätherischem Öldampf.
Bei der anschließenden Abkühlung über einer gekühlten Kupferschlange verflüssigen sich Wasser und Öl wieder (Kondensation), wobei die leichtere Öltröpfchen auf der Wasseroberfläche schwimmen.
Das Destillat wird in einem Gefäß aufgefangen und die Öltröpfchen durch Abschöpfen oder mit Hilfe einer venezianischen Flasche abgetrennt.
Teilweise werden die Pflanzen auch auf einem Gitterrost über dem Wasserbehälter ausgebreitet, wobei der aufsteigende Wasserdampf die ätherischen Öle Aufnimmt. Dabei ergibt sich eine besonders gute Ausbeute.

Eine gute Destillation erfordert erfahrene Fachleute, die Druck, Temperatur und Zeit optimal auf das einzelne Öl einzustellen wissen. Die hochwertigsten Öle sind in der Herstellung äußerst Zeitaufwendig.
Hoher Druck und Hohe Temperatur verkürzen zwar die Gewinnungszeit bei gleichzeitiger Erhöhung der Ausbeute, doch werden dabei wichtige Inhaltsstoffe zerstört.

Ein qualitativ hochwertiges Öl ist eine komplexe Verbindung aus einer Vielzahl verschiedener Inhaltsstoffe, was in seinem "vollen" Geruch zum Ausdruck kommt.
Minderwertige, schnell hergestellte Öle entbehren der Fülle und Tiefe des Aromas und sind in ihrer Heilwirkung vermindert, da nicht vollständig in der Zusammensetzung.
Als Nebenprodukt der Destillation entstehen sogenannte "Hydrolate" oder "Aquarome". Diese sind schwach duftende, kondensierte Wasser, die noch einzelne Aromamoleküle enthalten. Sie eignen sich besonders zur inneren Anwendung.

 

Quelle: Compact Ätherische Öle & Aromatherapie (vergriffen); div.