Ordo Templi Orientis

Der OTO - Ordo Templi Orienti
-Eine Geschichte eines der berühmtesten magischen Orden der Neuzeit -

Teil 1 - Geschichte
Der Ordo Templi Orientis, kurz OTO , ist eine magisch-esoterische Gesellschaft (Orden) mit rosenkreuzerisch-templerischen und freimaurerischen Zügen, die 1903 von Carl Kellner, Heinrich Klein sowie Franz Hartmann gegründet wurde und sich verstärkt mit Ritualmagie auseinandersetzte.

Frühe Jahre
Der OTO wurde um 1903 vom Wiener Industriellen Carl Kellner, Heinrich Klein und vom deutschen Theosophen und Freimaurer Dr. Franz Hartmann gegründet. Bis 1905 wurde der Orden nicht immer als OTO bezeichnet, sondern hieß meist einfach nach seiner freimaurerischen Lehrart Memphis-Misraïm-Ritus (MMR). Nach diesem Ritus war der Orden ursprünglich als Erweiterung zur blauen Freimaurerei gedacht und man hoffte auf die Anerkennung durch die Vereinigten Großloge von England. MMR war eine synkretistische Lehrart, die neben freimaurerischen und rosenkreuzerischen Elementen ebenfalls templerisches und gnostisches Gedankengut mit einbezog. Zudem kam Reuß bereits 1880 erfolgloser Versuch, eine Wiederherstellung des Adam Weishauptschen Illuminatenordens in München zu bewerkstelligen, hier wieder neu auf. Die Darstellung einer Illuminaten-Wiederbelebung im OTO wird seitdem offiziell vom OTO vertreten. Franz Hartmann beabsichtigte als Bindeglied dieser Lehrart einen selbst die Vereinigte Großloge von England umfassenden neuen freimaurerischen Dachverband zu gründen, der Academia Masonica heißen sollte. Theodor Reuß schlug vor, die Lehren von Hartmann in den inneren Kreis des Ordens zu verlegen. Als OTO wurde der Orden international erst 1906 mit der englischen OTO-Konstitution von Theodor Reuß einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Kellner war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Reuß wurde somit alleiniges Oberhaupt des OTO bis zu seinem Tode und gab sich den Ordensnamen Peregrinus.

Der OTO wurde durch Theodor Reuß neu struk-turiert. Er entwickelte ein System von zehn Graden. In diesen Graden war man versucht einer streng gnostischen Tradition, mit jedoch magischen Ritualen, zu folgen. Die Rituale des OTO waren ursprünglich freimaurerisch mit Betonung auf Hermetik. Diese wurden jedoch durch Crowley 1915 komplett überarbeitet und beinhalten nunmehr Crowleys Buch des Gesetzes. Der OTO erlangte nicht zuletzt durch die Mitgliedschaft von Aleister Crowley seine Popularität. Viele Mitglieder, darunter Heinrich Tränker, Arnold Krumm-Heller und Eugen Grosche, traten Anfang der 20er Jahre aus dem Orden aus und in dieser Zeit starb auch Theodor Reuß. Des Weiteren waren bekannte -Esoteriker- Mitglieder oder standen in Verbindung mit dem OTO (Rudolf Steiner, Harvey Spencer Lewis (Gründer des AMORC), John Parsons (Logenleiter des OTO in Pasadena, Kalifornien) und Gerald B. Gardner (Frater Scire, mit Charter zur Leitung eines OTO-Camps).

Heinricht Tränker, Arnold Krumm-Heller und Eugen Grosche gründeten jeweils ihre eigenen Orden. Tränker gründete unter anderem seine Pansophische Gesellschaft, während Eugen Grosche seine Fraternitas Saturni aufbaute. Arnold Krumm-Heller gründete in Südamerika den bis heute sehr erfolgreichen Rosenkreuzer-orden Fraternitas Rosicruciana Antiqua. Neben diesen Neugründungen ist bereits 1921 der Haitianische Ordo Templi Orientis Antiqua (OTOA) durch Lucien-Francois Jean-Maine entstanden.

Nach dem Tode von Theodor Reuß übernahm Aleister Crowley die Ordensleitung was zur weiteren Thelemisierung des Rest-OTOs führte. Eine 1925 versuchte Vereinigung mit anderen magischen Gruppen in Weida in Thüringen unter der Führung von Crowley scheiterte an den unterschiedlichen Charakteren und recht naiven Vorstellungen der Protagonisten. Einzig die aus der pansophischen Gesellschaft entstandene Fraternitas Saturni akzeptierte in dieser Zeit (außer dem OTO) das Gesetz von Thelema. Nach der fälschlich als -Machtergreifung- bezeichneten Katastrophe des Jahres 1933 wurde der OTO von den Nazis wie alle anderen ähnlichen Gruppen auch verboten.

Die Entwicklung in den USA
Der deutsche Sektionschef, Karl Germer, verbrachte das Jahr 1935 im KZ und konnte danach nach England fliehen und wanderte danach in die USA aus, dem damals wohl aktivsten Land in Sachen Thelema und OTO (wären die Nazis nicht gewesen dann obläge diese Rolle wohl dem Mutterland des OTO, und das ist Deutschland) mit Zentrum in der 2. Agape-Loge in Pasadena, Kalifornien welche allerdings von Crowley etwas abschätzig als -Fans- bezeichnet wurden. Zeit seines Lebens war Germer ein treuer Gefährte seines Freundes Crowley und unterstützte diesen finanziell. Als Crowley 1947 starb wurde Karl Germer selbst der Nachfolger Crowleys als de fakto Leiter des OTO. Unter den damaligen Mitgliedern des kalifornischen OTOs war auch Grady Louis McMurtry der seit 1941 initiiertes Mitglied des OTO war und Crowley während seines Militärdienstes in der US Army in England auch persönlich besucht hatte. Am 25.10.1962 stirbt Karl Germer an Krebs. In den letzten Jahren hatte er sich persönlich größtenteils aus der OTO-Arbeit zurückgezogen, sehr zum Unmut der damaligen Mitglieder. Karl Germer sah die USA als -spiritual desert- an, als spirituelle Wüste und konzentrierte sich nach eigener Aussage eher auf den AA, einem weiteren thelemischen Orden der von Crowley gegründet wurde.

Mit dem Tod Germers kam es zu einer siebenjährigen Pause. Teile des OTO waren noch im religiösen Untergrund dieser Zeit (die Revolution der Jahre 67/68 stand kurz bevor) aktiv, allerdings wie im Falle der irregulären Solar Lodge eher mit negativen Auswüchsen welche Karl Germer niemals toleriert hätte und der freiheitlichen, liberalen Philosophie Thelemas eigentlich diametral gegenüberstehen, welche aber einen starken Einfluss auf die großen Protagonisten der Hippie-Ära haben sollte. Im Jahre 1969 beginnt Grady McMurtry mit der Reaktivierung des Ordo Templi Orientis in den USA und im Jahre 1977 wird die 3. Agape-Loge als Nachfolger der 2. Agape-Loge gegründet. Diese Loge wird zum Nukleus des wieder erwachten internationalen OTOs.

Die Heutige Situation des OTO
Der aus der Agape-Loge entstandene sogenannte -Caliphats-OTO-, der von amerikanischen Gerichten als legitimer Nachfolger des ursprünglichen OTO in den USA anerkannt wurde, begreift sich, neben dem OTOA, als alleiniger und rechtmäßiger Vertreter der Lehren des OTOs. Wenn man heute vom OTO spricht ist meistens diese kalifornische Sukzessionslinie gemeint. Erklärtes Ziel des Ordens ist die Vervollkommnung des Menschen durch Ritualmagie. Dabei gilt es, die scheinbaren Gegensätze -Thelema- (griech.:Θελημα; deutsch: Wille) und -Agape- (griech.:αγάπη; deutsch: Liebe) bis zur Einheit zu vervollkommnen. Dieser Gedanke wird vielfach durch die Zahl 93 angedeutet, was der numerologische Wert von -Thelema- wie -Agape- ist. Der Caliphats-OTO finanziert sich weniger durch Mitgliedsbeiträge, sondern hauptsächlich durch die Tantiemen des Crowley-Tarots. -Caliph- dieses OTOs ist seit 1985 der Frankokanadier William Breeze unter dem Ordensnamen Frater Hymenaeus Beta. Weltweit hatte dieser OTO 2006 etwa 3.000 initiierte Mitglieder.

Die lokalen Körperschaften des OTO unterteilen sich in Camps, Oasen und Logen. Camps sind die kleinsten Gruppen und initiieren keine neuen Mitglieder. Oasen haben mehr Mitglieder als Camps und initiieren bis zum III°. Logen übertreffen Oasen an Mitgliederstärke und initiieren bis zum IV°/P?I?-Grad. Es gibt durchaus Ausnahmen von dieser Regel. Generell sind dies die Richtlinien dieses OTOs, welche der deutsche Zweig des OTO von der US Großloge übernahm. In Deutschland (Stand Anfang 2007) gibt es ungefähr 100 Mitglieder. Sie organisieren sich in einer Loge in Stuttgart, drei Oasen in München, Berlin und Paderborn, sowie einem Camp in St. Blasien.