22 - Ingwaz

Ingwaz Gott Ing / Yngvi-Freyr

Lautwert: NG
Urgermanisch: ingwaz
Gotisch: enguz oder iggws
Altenglisch: ing
Nordisch: ing oder yngvi

Runen-Halbmonat: 14. 5. - 28. 5.

Gottheiten: Freyr, Freyja

Geschlecht: beide

Farbe: grün

Element: Wasser/Erde

Schlüsselwörter:
· Potentielle Energie
· Wachstums- und Reifungsperiode
· "Schwangerschaft"

Magische Wirkung:
· Speicherung und Transformation von Kraft für rituelle Zwecke
· Fruchtbarkeitsrituale
· Passive Meditation und Konzentration von Energie und Gedanken
· Plötzliche Freisetzung von Energie

Esoterische Interpretation des Namens: der Erdgott

Ideographische Interpretation: männliche Genitalien


Man nimmt an, dass Ingwaz der Name eines alten germanischen Erdgottes ist, der zusammen mit der Erdmutter Nerthus wirkte. Ihr Kult war in alter Zeit besonders in den Nordseegebieten stark ausgeprägt. In einem altenglischen Runengedicht wird berichtet: Ing wurde zuerst unter den Ostdänen von einem menschlichen Auge erblickt, bis er gegen Osten ging über das Meer, sein Wagen folgte ihm nach: so nannten die Heardings den Helden. Der hier erwähnte Wagen ist identisch mit dem, der im Nerthus-Kult verwendet wurde. Ingwaz stellt den Gemahl der Erdmutter dar und den ihr zur Seite stehenden Priester. Dieser Kult spielte bei den Völkern der Nordsee eine so bedeutende Rolle, dass sie oft als Ingvaeones (Jene des Ing) bezeichnet wurden. Der vanische Gott Freyr ist auch unter dem Namen Yngvi bekannt und spielt auch bei den Fruchtbarkeitsritualen eine Rolle, indem er in einem Wagen in rituellen Prozessionen fährt. Es scheint, dass Freyr ganz allgemein im Norden die Rolle und den Namen des Ing an sich gerissen hat. Im Ing-Nerthus Kult verzehrt das feminine Element das maskuline, um die verbrauchten Energien wieder zu ersetzen, die nötig waren, um dem Land und dem Volk Fruchtbarkeit zu spenden. Kennzeichnend ist in diesem Zusammenhang die Sage, in der Freyr sein Schwert opfert, um Skadhi zu gewinnen oder auch der Name Gelding (kastriertes Pferd) für Odhinn.
Das männliche Element repräsentiert die sich immer wieder selbst erneuernde "kosmische Nahrung" in Form von potentieller Energie, die den Winter hindurch von der Göttin einbehalten wird, um sie dann im Frühling plötzlich und mit gewaltiger Kraft in einem orgiastischen Prozessions-Ritual wieder freizusetzen.
Die NG- Rune stellt einen Vorrat potentieller Energie dar, die erst durch einen Prozess des Wachstums und der Reifung hindurchgehen muss, um an Kraft zu gewinnen. Dieses Prinzip hat für alle Ebenen des Multiversums Gültigkeit, und dieser Rune wohnt große Kraft inne, denn jede Macht muss eine solche geschützte Periode des Wachstums und der Reifung durchmachen, ehe sie in ihrer potentesten Form in Erscheinung treten kann.
In dieser Rune ist eines der größten Geheimnisse nordischer Sexualmagie verkörpert.